Wie im letzten Blogeintrag erwähnt, war ich am Freitag auf einem Geburtstag einer ehemaligen Freiwilligen aus dem Café K eingeladen.
Es war wirklich schön und nett und ich kann euch nun sagen, dass sich kulturelle Unterschiede auch bei Geburtstagen deutlich zeigen.
Auf dem Hinweg fühlte ich mich in eines dieser alten Computerspiele versetzt, in denen man auf einem Fahrrad auf einem Weg (hier: Fahrradweg) entlangfahren und gegen Orkanartigen Gegenwind ansteuern muss, der einen ab und an heimtückisch vom Rad zu stoßen versucht. Mit dem Wind kommen dann auch herunterfallende Äste, die einen wenn man nicht aufpasst im Gesicht treffen (Aua :( )
Aber zum Glück ist nichts schlimmeres passiert und so kamen wir mehr oder weniger pünktlich (der Geburtstag hatte schon während unserer Arbeitszeit angefangen) an.
Es duftete bereits herrlich nach Essen und wir wurden sofort von einem ziemlich bunten aber scheinbar herzensguten Haufen begrüßt.
Zwei Tangofreunde des Geburtstagskindes waren anwesend, der eine ein Medizinstudent und bestimmt 3 meter groß, der andere ein Architekt mit Deutschkenntnissen und mit dem ich mich über die Documenta unterhalten konnte.
Dann war da die beste Freundin des Geburtstagskindes welche aus Italien kam, Englisch und Dänisch sprach und Deutsch wieder vergessen hatte und mit einem Nepalesen verheiratet war und die beide zusammen in Kopenhagen lebten (glaube ich).
Eine weitere Freundin, sie konnte einige deutsche Wörter und präsentierte diese voller Stolz, verschwand ziemlich bald weil sie noch einen Termin hatte.
Weitere Gäste waren die Söhne unserer Supervisorin, welche ihr Haus zur verfügung gestellt hatte und deren beste Freundin. Später kam noch die Nachbarin mit ihren zwei Asiatischen Adoptivkindern.
Die Gespräche gingen vom Geburtstag über Jude Law (der hier wohl irgendwo in der Nähe Hamlet spielt, ich werde herausfinden wo!!) zu unseren jeweiligen Heimatländern, Käsekuchen (den wir als Geschenk mitgebracht hatten) über die dänische Studentenbürokratie und und und.
Aber da dass ja noch nicht verwirrend genug ist, fanden die Gespräche immer mit einer Mischung aus Dänisch, Deutsch, Englisch, Italienisch statt, je nachdem welche Gäste gerade mit wem sprachen und dass natürlich oft gleichzeitig.
Einer der kulturellen Unterschiede scheint gewesen zu sein, dass alle 5min auf jemanden ein Toast ausgesprochen wird und sich die Gläser dadurch enorm schnell leeren. Ich stieg also nach kürzester Zeit von Wein auf Wasser und Cola um. Die Cola konnte ja notfalls immernoch als Rotwein durchgehen. Zumindest farblich.
Martin und ich saßen also oft nur da, lächelten stumm und wirkten aufmerksam und interessiert, obwohl wir oft nicht das geringste verstanden.
Aber alles in allem war es ein wirklich netter Geburtstag und ich hatte sehr viel Spaß an diesem Abend.
Auf dem Rückweg wurde wieder Computer gespielt, doch ich hatte diesmal Übung und schaffte es ohne Beinahumkippen des Rades und ohne Äste im Gesicht ins traute Heim...
...in dem sich massig Freiwillige versammelt hatten und Hygge hielten!
Das war natürlich gut, denn so wurde auch der Rest des Abends und der Nacht gefüllt. Wir zogen durch die Straßen Kopenhagens und tragen lustige Menschen mit seltsamen Angewohnheiten. Versuchten Geheimtips über das Nachtleben der uns noch fremden Stadt einzuholen und wiederholten das am Samstagabend.
Der Samstagvormittag und ein Teil des Nachmittages war allerdings mit einer ganz anderen Tätigkeit gefüllt.
Da ich in wenigen Stunden für drei Tage in ein Sommerhaus fahre, brauchte ich ja unbedingt eine Regenjacke. Das bedeutet ich musste mit Nathalie und Inga durch Kopenhagne streift und mir das ein oder andere Geschäft kurz anschauen. Denn man weiß ja nie wo die Regenjacken hängen...
So gingen wir 4 Stunden lang shoppen und kauften viele tolle Sachen.
Die Regenjacke bringt mir Christine heute mit, dann habe ich für drei Tage eine, bis ich eine eigene finde :)
Gestern war ich Abends ging ich mit zwei anderen Freiwilligen zu einem Bookclub, der an besasgtem Sonntag sein erstes Treffen haben sollte.
Komisch war nur, dass die Veranstalterin nicht auftauchte.
Wir hatten aber trotzdem Spaß und füllten zwei Stunden und treffen uns nächste Woche wieder um uns ein Buch auszusuchen.
Es ist wahnsinn wieviele Leute ich in den letzten Tagen kennen gelernt habe und wie nett hier alle sind!
Kennen gelernt habe ich gestern Abend auch Inga und Nathalie auf einer ganz anderen Ebene.
Mit einer Tasse Tee, einem Schälchen Vanillepudding und fehlender Vernunft machten wir es uns in meinem kleinen Zimmerchen gemütlich und beantworteten einen Fragebogen der nach Marcel Prousts 25 Fragen erstellt worden war.
Es heißt, wenn man diese 25 Fragen (oder eben 35 wie wir sie hatten) beantwortet, würde man die „Mitspieler“ sehr sehr sehr gut kennen...
Da wir uns aber nicht nur gut kennen lernen, sondern auch Spaß dabei haben wollten, beschlossen wir uns nach einem geheimen beantworten aller Fragen erst einmal gegenseitig einzuschätzen, bevor wir unsere Antworten preisgaben.
Ihr solltet es mal ausprobieren, es ist wirklich eine spaßige Angelegenheit! Ich wusste zum Beispiel bis gestern Abend noch gar nichts von meiner Shizophrenie.
Nun ja, ich muss jetzt mal fertig packen da wir direkt nach der Arbeit ans Meer fahren! Ich berichte euch in 3 oder 4 Tagen wie es so war.
Ganz liebe Grüße an euch daheim und an meine Familie (ich freue mich schon auf das Paket ;) )
Une lettre pour l’Afrique
vor 15 Jahren

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