Das Seminar ist endlich zu Ende und jaaaa ich lebe noch!
Einige wissen das zwar durch diverse Skype-Telefonate oder kurze schriftliche Austausche im Internet (ICQ, MSN, Studivz, mail...) aber so richtig Zeit zum Schreiben hatte ich nunmal noch nicht.
Das Seminar hat mich noch sehr vereinnahmt und auch die Abende waren mittlerweile mit Programm gefüllt, auch wenn das meiste eher freiwillig war.
Ich sitze gerade mit einem Kaffee in meinem Zimmer. Vor etwa einer Stunde (9 Uhr) bin ich aufgestanden und gleich werde ich einen langen Spaziergang am Hafen machen.
Die Sonne ist nämlich immernoch herrlich hier oben! Kein Regen, keine Dunkelheit.
In den letzten 4 Tagen unseres Seminars habe ich sehr viel gelernt, gelacht aber auch viel gegen die Müdigkeit gekämpft, obwohl wir etwa alle 2 Stunden eine Kaffeepause hatten.
Ich habe im Gospel gesungen, und zusätzlich haben wir viele Kinderlieder gelernt, die uns die Wochentage oder generell die dänische Aussprache näher bringen sollten.
Die dänische Aussprache ist sowieso ein wenig konfus, wie wir beim täglichen Sprachkurs gelernt haben.
Liest man zum Beispiel: Jeg har ondt i hovedet (Ich habe Kopfschmerzen (frei übersetzt))
dann spricht man das wie folgt: Jaaaarondihol (oder so...)
Ihr merkt schon, das Sprache lernen bringt viel Freude mit sich, wenn man die Sprache eines Landes lernt, die so frei mit Lauten und Regeln ist, dass ein e auch gerne mal zum a oder i wird. Einfach weil es ja ein bestimmter zusammenhang ist...
Die 9 „Vokale“ a, e, i, o, u, y, å, ø und æ
klingen selbstverständlich auch alle VÖLLIG verschieden. Aber eben nicht immer.
Am Dienstag Abend war ich mit einer Ungarin bei einer dänischen Familie eingeladen und wir hatten einen wunderbaren Abend. Wir bekamen selbstgemachte Dänische Spezialitäten und erfuhren witzige und interessante Dinge. So sollen wohl die 12 Jünger Jesu im AT die 12 Sternzeichen repräsentieren und außerdem hat der Ehemann, von dem Pärchen bei dem wir waren früher mit seiner Band im Starclub in Hamburg gespielt. Als Vor- oder Nachband der Beatles.
Am Mittwoch gab es wieder einen Sprachkurs und wir haben Märchen von Hans Christian Andersen gelesen, gesungen wurde selbstverständlich auch wieder und dann haben wir gelernt, wie Kinder in Dänischen Kindergärten „erzogen“ werden.
Damit konnte ich zwar nicht so viel anfangen aber hauptsache ich habe danach den Leitfaden eines Kindergartens bekommen. Auf Dänisch.
Mittwoch Abend haben wir unsere Gospelsongs einstudiert und gaben danach ein kleines Konzert (mit 5 Songs) für unsere Supervisior. Mit denen unterhielten wir uns dann noch ein Weilchen.
Ausgeklungen wurde der Abend dann mit einigen Freiwilligen bei uns in der Wohnung.
Donnerstag war … lustig und ernst. Ernst war das Gespräch mit einem Psychologen, der darüber erzählte, wie man sich verhalten soll, wenn Jugendliche Selbstmordgedanken haben oder sich Ritzen.
Lustig wurde es, als uns erzählt wurde wie wir uns hier in Dänemark total günstig und total gesund und natürlich auch total lecker ernähren konnten!!!
Wir warteten natürlich auf einen kleinen Geheimtipp oder auf den Code für das Tor zum Schlaraffenland.
Im Endeffekt lief es aber dann darauf hinaus, dass wir uns einfach nur noch von Bohnen und Kohl ernähren sollten. Das wird NIE schlecht, ist totaaal lecker, und man kann es überall zu essen....
Abends waren wir dann noch in einem feinen Restaurant essen (Lachs als vorspeise, dann irgendein Fleisch und als Dessert gab es irgendeine Créme mit Karamellklecksen an der Seite, einer halben Birne und einer Erdbeere).
Das Abschiedsbowlen war jedoch klasse. Unsere Gruppe hatte verschiedenste Techniken die Kugel äußerst elegant direkt an den Kegeln vorbeizuwerfen. Jedoch war auch der ein oder andere Strike dabei und viel gelacht haben wir sowieso.
Nach dem Bowling war das Programm offiziell beendet und ich bin mit einigen anderen noch ins Café Retro gegangen. Eine Art Kneipe, die alle Einnahmen an soziale Projekte spendet und in dem auch 2 oder 3 Freiwillige arbeiten werden.
Der Freitag war vom Programm recht kurz. Ich fuhr zum Frühstücken nach Frederiksberg und nach einem „Sending Out Service“ in der Kirche war es im Prinzip auch schon wieder vorbei.
Dann kam es zu mehr oder weniger tränenreichen Abschieden von denen, die Kopenhagen nun verlassen haben und die wir zum Teil erst im Januar wiedersehen.
Doch viel Zeit zum trauern war nicht, denn Martin und ich hatten am Freitag schon (und nicht erst am Montag wie viele andere) unseren ersten Arbeitstag.
Um 12 Uhr saßen wir also motiviert und aufgeregt mit Christine zusammen und wurden eingewiesen.
Das Café ist wirklich schön und im Grunde ist es auch eine tolle Arbeit, die wir hier haben.
Wir verkaufen Süßigkeiten an die Jugendlichen (meist zwischen 13 und 15) und kochen Kaffee, heiße Schokolade oder Tee.
Ansonsten sollen wir einfach mit den Jugendlichen in Kontakt kommen, mit ihren Tischtennis spielen oder Kickern.
Das klingt auch alles ganz wunderbar, wären einige der kleinen nicht wahre Teufel.
Vor drei Tagen haben sie nach Erzählungen die Tischtennisplatte zerbrochen und vor zwei Tagen sind sie ohne Erlaubnis in einen Raum im oberen Geschoss gegangen, haben dort ein Fahrrad von draußen versteckt und haben den Raum wieder verschlossen.
Gestern war auch viel Radau, sodass die Bilder an den Wänden (an einem Faden aufgehangen) nach einem fehlenden Blickkontakt von etwa einer halben Minute wild von Rechts nach Links schwangen.
Wir werden also viel zu tun bekommen. Zum Glück verschwinden die meisten dieser Jugendlichen etwa alle halbe Stunde mal nach draußen weil sie Rauchen wollen. (Ich wiederhole noch einmal, diese Kinder sind 13 Jahre alt).
Damit ihr aber jetzt nicht den falschen Eindruck von unserer Arbeit bekommt: Das sind nur 3 oder 4 von den etwa 20Jugendlichen die hier im Durchschnitt pro Tag sind.
Wir haben auch sehr Nette und Ruhige getroffen und auch Christine meinte, dass es selten so „schlimm“ ist wie an unserem ersten Tag.
Es kann also nur noch besser werden ;)
Die Arbeit wird aber trotzdem eine Menge Spaß machen und ich bin mir sicher dass ich schnell Dänisch lernen werde. Ich muss auch eigentlich, denn dann kann ich endlich verstehen was die Jugendlichen ständig über uns Reden :D
Am Freitag haben hatten wir noch einmal Besuch von anderen Freiwilligen und heute wollen Inga, Martin un dich unser Bankkonto einrichten.
Aber jetzt gehe ich erst einmal an den Hafen! Es ist so tolles Wetter.
Wenn mir noch was einfällt, dann trage ich das nach aber ich denke es reicht jetzt erstmal.
PS: Fotos kommen noch
Une lettre pour l’Afrique
vor 15 Jahren

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