Freitag, 5. März 2010

Rückblick auf die letzten Monate

Lange lang ist es her. Ewig viele Monate wie es scheint, doch nun, mit dem schon zweiten wirklich frühlingshaften Tag (zumindest hier in Kopenhagen) mit Sonnenschein und Vogelgezwitscher melde ich mich zurück. Meine Schreibpause hatte weniger mit Schreibblockaden oder Unlust zu tun, sondern viel mehr damit, dass so unglaublich viel passiert ist, sodass ich keine Zeit zum schreiben fand, und wenn ich sie fand, gab es so viel zu erzählen, dass ich nicht wusste, wo man anfangen sollte.
Aber nun ja, jetzt sitze ich mit einem Erdbeermilchshake (selbst püriert ;) ) auf meiner Fensterbank, genieße die Frühlingsluft und habe noch etwa eine Stunde, bevor ich zur Arbeit muss. Wenn das kein guter Zeitpunkt ist, den Bericht zu schreiben.
Die Weihnachts- und Adventszeit fiel diesmal aus vielerlei Gründen anders als erwartet aus, doch wenn ich jetzt auf den Abschluss des Jahres 2009 zurückblicke, gibt es ungemein viele schöne Momente, an die ich mich erinnern kann.
Es fällt mir wirklich schwer, mir vorzustellen, dass über die Hälfte meines Freiwilligendienstes schon rum ist und anstehende Uni-Bewerbungen machen wir es nicht unbedingt leichter die restlichen Monate voll zu genießen.

Doch nun erstmal zurück zu den letzten Monaten und zu einigen Dingen, die ich erlebt habe.
Während der Adventszeit besuchten Inga und ich zwei Weihnachtsbasare (ist das der Plural von Basar?) und wir genossen die weihnachtliche Stimmung in der Stadt. Überall in den Straßen roch es nach gebrannten Mandeln, an kleinen Ständen wurde Glögg verkauft (lecker :) ) und dank der zahlreichen Lichterketten und Tannenbäume fiel es mir nicht schwer, die dunkle Jahreszeit zu überstehen.
Das wöchentliche Adventsfrühstück mit meiner Familie via Skype war auch jedes mal sehr schön!


Kurz vor Weihnachten nutzte ich dann, gemeinsam mit drei anderen Freiwilligen meine Wildcard, um einen Tag nach Jylland zu fahren und mir Århus anzugucken. So kam es, dass wir alle, durch ein Konzert am Vorabend leicht übermüdet, um fünf Uhr morgens in den Zug stiegen.
Während Nils und Martin versuchten ein wenig Schlaf zu finden, hatten Johann und ich nach etwa einr halben Stunde die dritte Tasse Kaffee intus und trugen somit unseren Teil dazu bei, dass weder Nils noch Martin schlafen fanden.
In Århus angekommen war es noch sehr früh. Es war dunkel. Es war kalt und es regnete.
Doch trotz der ungünstigen Wetterverhältnisse verbrachten wir einen schönen Tag in einer nicht so schönen Stadt.
Nicht nur, dass man in den Bussen in Arhus HINTEN einsteigt und VORNE aussteigt, sondern auch, dass es für beinahe jeden Bus eine eigene Bushaltestelle gibt, sodass wir alleine drei Busse verpassten, bis wir endlich die Stelle fanden, an der sie abfuhren.
Nachdem wir jedoch auch dieses System verstanden hatten, besichtigten wir „Den Gamle By“ ( http://www.dengamleby.dk/deutsch.htm ), einen Weihnachtsbasar, Aros (http://www.aros.dk/page.asp?contentsection=3B90D6DA911140908C271FC96AED1043&zcs=3) und Hans og Grete. Letzteres ist ein Kaffee und Tee Laden in dem man zum einen einen besonderen Tee (Lakritz-Minze) kaufen kann, der jedem, der ihn probiert schmeckt (so erzählt man). Mir schmeckt er und auch sonst habe ich noch niemanden getroffen, der ihn nicht mag. Außerdem verkaufen sie dort Kaffeebohnen, in denen verschiedenste Aromen in den Kaffeebohnen stecken. So kann man beispielsweise Doppel-Schokolade, Irish Coffee, Amaretto und French Vanille kaufen und braucht keinen süßen Kaffeesirup mehr.
Bevor wir uns auf den Heimweg machten, liefen wir noch einmal durch den Botanischen Garten, der aber in anbetracht der Jahreszeit eher an einen Pflanzenfriedhof erinnerte.
Obwohl meine Beschreibung wahrscheinlich nicht so schön klingt, war es insgesamt doch ein sehr schöner und lustiger Tag :)

Nach einer internationalen Silvesterfeier, die im Diakonissenstift in Frederiksberg begann und nach dem Countdown auf dem Rathausplatz in Kopenhagen irgendwo in einer Kneipe in der Nähe vom Nyhavn endete stand auch schon bald das Midtermseminar unserer dänischen Organisation an.
Acht Tage lang sollten wir uns mit allen anderen Freiwilligen über bisher Erlebtes, Probleme und so weiter und so fort austauschen.
Es war eine wirkliche schöne Woche mit allerhand Programm, welches ich nur kurz wiedergeben werde.
Als ich Freitag punkt 17Uhr (denn da begann das Seminar) mit meinen beiden Mitbewohnern das Wohnzimmer des Diakonissenstifts betrat wurde ich schon aufgeregtem Gequassel auf verschiedenen Sprachen empfangen. Von Dänisch, Englisch, Deutsch über Französisch bis zu Russisch war fast alles dabei.
Denn es gab ja soviel zu erzählen und nicht alle wohnen in Kopenhagen, sodass man einige Leute nach 5 Monaten das erste mal wiedersah.
Nach einer kurzen Einführung in das Programm der nächsten Woche war dann Eile geboten. Denn für heute Abend waren Plätze in der Oper gekauft worden und so wurde sich im Eiltempo umgezogen, schick gemacht und dann ging frierend (Kleid und Strumpfhose eignen sich nicht sonderlich für Schnee und Eis) es zum Hafen. Dort erwartete einen schon das erste Highlight. Denn zur Oper wird man, wenn man möchte, mit einem Schiff übergesetzte. Dieses Schiff fuhr auch an besagtem Freitag, oder soll ich eher sagen, es kämpfte sich durchs Eis?
Der Kanal war nämlich mit einer dünnen und zum Teil wohl dickeren Eisschicht zugefroren, sodass es beängstigend Krachte und Rüttelte, als sich das Schiff zur Oper vorrankämpfte.
Die Befürchtungen vieler, man müsste den Rest zur Oper schwimmen, da das Schiff das nicht mehr lange durchhält, wurden zum Glück nicht bestätigt und so kamen wir alle heil in der Oper an.
Das Opernstück war klasse und trotz französischer Sprache und dänischen Untertiteln konnte ich fast alles verstehen.

Doch selbst wenn das Opernstück nicht gut gewesen wäre, war die Übersetzung durch das Schiff und die Oper selbst schon Highlight genug.
Die Oper hat nämlich nicht nur ein beeindruckendes Äußeres (http://img.album.de/files/images/screen/54/5408212410359.jpg) sonder fasziniert auch innerhalb durch ihre achitektonische Gestaltung. Während man durch die gläsernen Wände das Gebäude betritt wird man von gigantischen runden Kerzenleuchtern empfangen die in verschiedenen Höhen das Gebäude erhellen. In der Mitte des Gebäudes befindet sich eine Art riesiger hölzerner Kokon der im Erdgeschoss und in den höheren Etagen durch Brücken erreichbar ist. Es sieht aus wie der Kern der Oper und in diesem Kokon befindet sich dann der Opernsaal. Ich glaube man kann es sich anhand meiner eher grässlichen Beschreibung nicht sonderlich gut vorstellen, aber glaubt mir einfach, dass es ein beeindruckender Anblick ist.

So gemütlich jedoch der Freitag morgen auch war (wir hatten den gesamten Vormittag frei), so grässlich begann der Samstag. Denn das Frühstück wurde während des gesamten Seminares gemeinsam im Diakonissenstift eingenommen,w elches etwa 20min entfernt lag. Das hieß um kurz vor sieben aufstehen.
Den gesamten Samstag vormittag und auch einen guten Teil des Nachmittags verbrachten wir dann damit „mobile Ikonen“ zu basteln. Jeder von uns bekam ein kleines Holzbrett (in der Größe eines Handys) und dann sollten wir Hoffnung und Hoffnungslosigkeit darstellen.
Die sollte mithilfe von Farben, Stoffen, Glas- und Spiegelscherben oder Elektroschrott umgesetzt werden und das Ergebnis sollte „mobil“ sein.
Nunja, meine Ikone vereint jetzt zwar Farben, Stoff, Scherben und Elektroschrott, allerdings ist sie keinesfalls mobil, aber so ernst muss man das ganze ja nicht nehmen ;)

Die restlichen Tage standen dann noch ein Erste-Hilfe-Kurs (bei dem ich dem Dummy zwei Rippen brach), Schlittschuhlaufen, Museumsbesuche, Vorträge und Gruppengesppräche über Erlebnisse, Ängste und Probleme an.
Eines der wenigen Probleme bei diesem Seminar war jedoch, dass es mit foranschreitender Anzahl der Tage zunehmend schwieriger wurde sich zu konzentrieren, Denn wann endet ein Seminar schon mit dem Ende des Zeitplans?
Insbesondere in einer Gruppe von etwa 30 Freiwilligen zwischen 18 und 26 Jahren.
Alles in allem war es eine tolle Woche, die auch nicht von meinem EVS-Seminar eine Woche darauf getoppt werden konnte.
Besagtes zweites Seminar war zwar auch lustig und interessant, war jedoch auch kürzer und hatte nicht dasselbe Gruppengefühl. Sowas macht schon viel aus.
Schade war zudem noch, dass das Highlight des Seminares, einer Führung durch Christiania, aufgrund des angekündigten schlimmsten Schneesturms seit ewigkeiten (so wurde uns mitgeteilt), abgeblasen wurde. Doch anstatt dass wir wenigstens einen Schneesturm betrachten konnten, stellte sich dieser als leichter Schneefall heraus.

Nach dem Seminar ging es dann erneut raus aus Kopenhagen, diesmal nicht nach Jylland sondern in den Norden Seelands in einen Ort mit dem bezaubernden Namen Humlebaek.
Dort findet sich, etwa einen halben Kilometer Fußweg entfernt vom Bahnhof das berühmteste Kunstmuseums Dänemarks und einer der 1000 Plätze die man gesehen haben sollte, bevor man stirbt.
Dies konnten Martn und ich uns natürlich nicht entgehen lassen und schon gar nicht, da unsere Chefin uns von dieser Fotoausstellung im Museum vorschwärmte. Die Begeistertung, die wir verzweifelt zu verstreuen versuchten sprang leider nur auf drei weitere über, sodass wir am Samstag morgen Moritz, Simon und Johann nach einigem Hin und Her mit je einem Kaffeebecher in der Hand vorfanden.
Obwohl der Schnee allgegenwärtig war (es hatte die Tage davor mal wieder tüchtig geschneit) schien den ganzen Tag die Sonne und auch das Museum war einfach klasse.
Fast 5 Stunden stromerten wir durch die Gebäude und den Skulpturengarten der direkt ans Meer grenzte und die Zeit verging wie im Flug.

Soviel zu den vergangenen Erlebnissen. Der Winter war lang und hart. Es hat enorm viel geschneit, vor allem dafür, dass man in unmittelbarer Meernähe mit wenig bis gar keinem Schnee rechnet. Doch seit etwa drei Tagen merkt man den Frühling überall. Die Sonne scheint, es ist früh morgens schon recht hell und die allgemeine Stimmung verbessert sich zunehmends in der Stadt.
Jetzt kann der Frühling kommen :)

Freitag, 4. Dezember 2009

Hopenhagen

Im Blick auf die anstehende Klimakonferenz wollte ich euch nur kurz auf folgendes hinweisen:

http://www.hopenhagen.com
http://www.hopenhagen.de

und noch einmal zum informieren:

http://www.presseportal.de/pm/43047/1515340/pleon

Sonntag, 29. November 2009

Die Adventszeit beginnt oder, ein Abend voller Erkenntnisse

Endlich ist es soweit! Die Weihnachtszeit beginnt und der erste Advent ist schon fast wieder vorüber!
Es ist natürlich klar, dass die Dänen Weihnachten hier nicht einfach unbeachtet lassen, doch dazu später.
Ich beginne diesmal mit Donnerstag (letzten um genau zu sein).
Nach einem einigermaßen normalen Arbeitstag versammelten sich die Mitarbeiter des Cafés um in gemütlicher Runde und mit allerhand Snacks (von Pomelos über Rosinen bis zu Keksen) Monty Python Filme zu gucken.
Dieses angesammelte Wissen werden wir nämlich für eine Aktion im Januar nutzen. Wir werden einen Monty Pythons Tag oder gar eine ganze Woche machen, in denen wir verrückte Akzente annehmen, dumm herumlaufen und ähnliches veranstalten. Ich freue mich schon darauf mich so richtig zum Affen zu machen. (um es sich vorstellen zu können: http://www.youtube.com/watch?v=IqhlQfXUk7w )

Der Abend wurde, wie man sich vorstellen kann, außerordentlich lustig.

Am Tag darauf, natürlich ein Freitag, fand im Café K eine Adventsfeier statt. Wahnsinn ^^
Begonnen wurde um halb 7 mit einigen Willkommensworten und einem Weihnachtslied. Dann gab es Risengrød, ein typisches Gericht, das die Dänen an Weihnachten essen. In Deutschland nennen wir es einfach nur Milchreis und essen es das ganze Jahr über, aber hier ist es etwas typisch weihnachtliches.
In diesem Risengrød wurden drei Mandeln versteckt und wer eine dieser Mandeln hatte, bekam ein extra Geschenk.
Nach dem Essen wurde Packelave (oder so) gespielt. Wichteln nach dänischer Tradition (und deshalb nicht ganz normal).
Bei 35 Leuten gab es 6 Würfel die nach links weitergegeben wurden und sich nicht treffen durften.
Würfelte man eine 6, durfte man sich ein Geschenk, egal was für eins aussuchen.
Würfelte man eine 1, musste man ein Geschenk (wenn vorhanden) nach links weitergeben.
Würfelte man eine 3, musste man aufstehen und mit zwei anderen Leuten (der dritte wurde jeweils
abgelöst) Weihnachtslieder trällern, bis man wiederum abgelöst wurde.

Ein sehr lustiges Spiel das zum Highlight des Abends wurde.
Danach gingen wir alle in den Innenhof des Gebäudes und spielten bei vollkommener Dunkelheit Krocket. Die Dunkelheit und allgemeine Hochstimmung und dadurch fehlende Beobachtungsgabe führten dazu, dass es sich zwischen den Schlägen der einzelnen Mannschaften immer wieder Mannschaftsmitglieder zur Aufgabe machten, ihren eigenen Ball mit dem Fuß etwas günstiger zu verschieben oder den gegnerischen Ball aus der Bahn zu kicken.
Auch wenn der Abend bis dahin schon sehr lustig war hatte ich auch schon zwei weise Erkenntnisse daraus gezogen.
1) Zu viel Milchreis ist nicht gut
2) Krocket spielt man lieber bei Tageslicht und ohne merkwürdige Hindernisse
3) Auch unter Berücksichtigung von Nummer zwei wäre ich kein sonderlich begabter
Krocketspieler.
Der Rest der Adventsfeier bestand aus Kaffee und Æbleskiver, eine weitere dänische Spezialität (ich meine nicht den Kaffee) die ähnlich wie Quarkbällchen, nur eben mit Apfelgeschmack, sind....einem Krippenspiel (in modernisierter Form) und einer Andacht. Es war insgesamt ein schöner Abend, auch noch nach dem offiziellen Teil.

Nach Aufräumaktion und letzten Verabschiedungen gingen Martin und ich noch mit einigen Studenten die bei uns im Haus wohnen noch ein Bierchen trinken und spielten ein Würfelspiel dessen Namen ich nicht weiß. Jedoch zog ich weitere Erkenntnisse aus diesem Abend.

4) Es besteht ein Geschmacklich großer Unterschied zwischen Tuborg und Tubor Classic (schmeckt definitiv besser)
5) Auch in diesem Würfelspiel war ich außerordentlich schlecht.

Den Samstag besuchten Inga und ich einen Weihnachtsbasar auf dem ich mir einen kleinen süßen Freund mit Knopfaugen kaufte.


Außerdem bastelten wir uns einen Adventskranz der sich wirklich sehen lassen kann und Abends gingen wir noch zu einer Party im Diakonissenstift (blieben allerdings nur 2 Stunden).





Und dann war schon Sonntag. Erster Advent.
Wir begannen den Tag mit einem Kirchenbesuch (es war schön :) ) und aßen dann Nachmittags schön Plätzchen und tranken Tee.
Gleich mache ich mich auf zum Buchclub und werde mir noch den Weihnachtsbaum anschauen, der heute Nachmittag entzündet wurde. Dann kochen Inga und ich uns eine leckere Lasagne (endlich mal wieder mit Hackfleisch, diese teure Leckerei gönnen wir uns mal für den Adventssonntag) und dann geht’s ab ins Bett.
Bis bald ihr Lieben.

Freitag, 20. November 2009

Alles lässt sich mit einem Tisch vergleichen

Ja ja, die treulose Tomate meldet sich auch mal wieder.
Ich entschuldige mich an dieser Stelle auch mal für die vielen doch sehr peinlichen Fehler, die sich in meinen Einträgen finden lassen. Aber erstens leidet mein Deutsch darunter, dass ich hier fast nur Englisch oder Dänisch spreche und zweitens schreibe ich diese Einträge immer mit Musik im Ohr und das kann ablenken ;)

So! Ich beginne mit einer guten Neuigkeit! Denn am Samstag (also übermorgen) verlasse ich meinen kleinen Schuhkarton, um in das große Zimmer auf der anderen Seite des Flurs zu ziehen. Martin, der dieses Zimmer räumen muss, versucht es sich dann in meiner Abstellkammer gemütlich zu machen. So wie es sich anhört hat er schon große Visionen...vielleicht schafft er es ja noch etwas aus der Nische zu machen.
Damit ihr meine Freude nachvollziehen könnt kann ich euch ja mal kurz meine bisherige Wohnsituation erklären:
Momentan (und auch sonst wenn ich am Computer sitze [was logisch ist, denn mein Computer steht ja immer an ein und derselben Stelle]) sitze ich auf einem unbequemen Holzstuhl vor einem Tisch von 1x1meter der durch den Laptop, eine Kiste mit Laptopzubehör (Kabel, Headset etc) und meiner Teekanne vollkommen blockiert ist. Meine Füße werden von einem Salat aus Kabeln gewärmt, was mich leider bei fast jedem Aufstehen zum Stolpern bringt.
Durch meine günstige Sitzposition blockiere ich natürlich auch die Tür, sodass ich jedes mal aufstehen muss, sobald jemand zu mir ins Zimmer möchte.
Doch soweit zu meinem „Schreibtisch“.
Der Rest vom rechten Drittel wird von meinem Bett versperrt.
Die Breite meines Bettes habe ich dann noch ungefähr um mich zu bewegen und dann befindet sich im linken Drittel ein riesiger Kleiderschrank (der wohl einzige Pluspunkt).
Wie ihr bemerkt hat fehlt nach meiner Beschreibung ein Regal oder ähnliches um Bücher und ähnliches zu verstauen. Nun ja, so etwas besitze ich, allerdings wurde die dreifächrige Kommode in den Kleiderschrank verbannt, damit ich mehr Platz zum laufen habe. Drei Fächer....nicht sehr viel Platz um Dinge zu verstauen...

Jedenfalls freue ich mich auf mein neues Zimmer :)



Doch zurück in der Zeit. Am 31.10 hatten wir eine grandiose Halloweenparty im Diakonissenstift gefeiert. Nathalie und ich hatten uns vorher im Tiger Weihnachtsmannkostüme gekauft (für ganze drei Euro :) ) und uns aus Lebensmitteln eine ekelige Maske gemacht.
So wurden wir mit noch ein bisschen roter Lebensmittelfarbe zu toten Weihnachtsmännern. Wir hatten alle sehr viel Spaß und die Kostüme waren fantastisch. Zu essen gab es natürlich auch allerhand. Darunter wunderbar ekelig aussehende Brötchen und grüne Crêpe.
Ein Kostümwettbewerb wurde veranstaltet und natürlich wurde auch getanzt.
Es war ein toller Abend und ich hoffe wir finden noch öfter so geniale Anlässe wie Halloween.

Die Sprache ist mir mittlerweile fast schon vertraut. Ich verstehe eigentlich schon fast immer das Thema und oft auch schon den genauen Wortlaut. Im Sprechen bin ich zwar noch lange nicht so weit aber auch das geht mittlerweile ganz gut. Ich komme über die Runden ;)

Aber für den Fall das das nicht so ist hat auch mittlerweile endlich unser Sprachkurs angefangen! Nach über zwei Monaten lernen wir nun endlich mit professioneller Unterstützung „Hej! Jeg hedder Sarah. Jeg kommer fra Tyskland!“ sagen (Hey! Ich heiße Sarah. Ich komme aus Deutschland). Das konnte ich zwar schon seit zwei Monaten aber nun ja. Es ist trotzdem immer lustig. Zum einen durch unsere Mitteilnehmer (Leute aus Amerika, Australien, Zimbabwe, Kenia, Finnland, Polen und von den Philippinen) und zum anderen durch unseren Lehrer der uns immer hilfreiche Tips mit auf den weg gibt. („Man kann wirklich alles mit einem Tisch vergleichen!“)


Eine Umstellung der ich mich temporär unterziehen musste war die Änderung meiner Wohnsituation (ihr erinnert euch: Ich wohne mit Inga und Martin, zwei deutschen Freiwilligen, die auch auf meinem Blog verlinkt sind in einer WG).
Denn aus unserer Wohnung wurde in den letzten Wochen eine Jugendherberge da wir ständig Gäste hatten, deren Besuche sich teils sogar überschnitten und deshalb hatten wir für fast einen Monat ständig „Fremde“ (zumindest im Regelfall für zwei von uns dreien) in der Wohnung. Das war schön und ich habe mich auch sehr über die Besucher gefreut (die ich kannte und auch ihr anderen wart nett) aber nun bin ich doch froh darüber für wenigstens 2 weitere Wochen die Wohnung als unser Eigen nennen zu können.

Durch die Besucher kam natürlich auch ich in den Genuss des Sightseeings. So besuchten wir eines Sonntags (es war ein Sonntag, da der Eintritt Sonntags frei ist) die Glyptothek. Ein großes Museum voller Steine, Skulpturen und Bildern. Mehr dazu könnt ihr allerdings auf Martins Block lesen. Ich fand es jedenfalls klasse.

Am Abend desselben Tages trafen wir uns mit noch mehr Freiwilligen und wir machten Wraps. Sowie der Teig, als auch die drei Unterschiedlichen Füllungen waren selbst gemacht und es war sehr lecker.
Ich freue mich schon auf den bevorstehenden Mädels-Pyjama-Glühwein-Bratapfel-Abend :)

Letzten Dienstag standen Wahlen an in Kopenhagen und da wir als Temporärdänen anerkannt sind bekamen auch wir unsere Wahlkarten. So machte ich mich Dienstagmorgens auf den Weg zu der Straße in der gewählt werden sollte. Leider hatte ich nur noch die ungefähre Richtung im Kopf und nicht mehr die genaue Lage.
Doch mein blindes Folgen zweier Menschen, die jedoch so aussahen als würden sie zur Wahl wollen (sie gehörten definitiv nicht zusammen, hatten aber exakt denselben zügigen Schritt in dieselbe Richtung drauf) durch einen kompletten Park und zwei weitere Straßen brachte mich zum Ziel.
Ich hatte alles dabei, was ich dachte, dass ich benötigen würde. Meinen deutschen Ausweis, meine Yellowcard (Ich berichtete: Ohne Yellowcard darfst du nichts in Dänemark) und meine Aufenthaltsgenehmigung.
Was ich nicht wusste, war, dass man nur sein Geburtsdatum bestätigen musste um wählen zu können. Ausweisen ist wohl in Dänemark nicht nötig.
Aber vielleicht hatten sie zu der Kontrolle auch keine Lust.

Denn die dunkle Jahreszeit ist in Kopenhagen eingezogen und das führt dazu, dass meine Tage dunkler, kälter und regnerischer werden. Wenn ich morgens aufstehe ist es dunkel. Wenn ich zur Arbeit gehe ist es dämmrig und an guten Tagen tatsächlich hell, drei Stunden später (3 Uhr) ist es dann wieder dunkel.
Aber ihr kennt mich. Ich liebe den Winter und mache es mir so gemütlich wie möglich.

Außerdem sind die Dänen schon wild dabei die Weihnachtsdekoration aufzuhängen, sodass alle Straßen mittlerweile hell beleuchtet sind.
Das wird wirklich eine tolle Zeit hier ;)

LG und lasst mal von euch hören :-*

Dienstag, 20. Oktober 2009

Zusammefassung der letzten Wochen

Auch ich finde mal wieder ein bisschen Zeit und Muse um mich bei euch zu melden.
Es ist lange her und dementsprechend wird dies ein langer Eintrag. Ich versuche mich jedoch kurz zu fassen und ihn ein wenig zu gliedern, sodass man den Überblick nicht verliert.

Beginnen werde ich mit meiner Seminarwoche, die ich mit Inga und einigen Anderen Freiwilligen (bereits bekannte und noch unbekannte von anderen Organisationen) in einer Højskole für Sport in Ollerup verbrachte.
Das Seminar war wunderschön! Die Schule bestand aus mehrere Gebäudekomplexen die untererirdisch durch eine Art Katakombensystem verbunden waren.
Sie war sehr modern eingerichtet und da sie dazu gebaut wurde, Sportler „heranzuzüchten“ hatten wir auch die Möglichkeit die dort vorhandenen Sporthallen (Normale Sporthalle, Trampolinhalle etc) und sonstigen Extras (Sauna, Pool, Gartenanlage, Wohnzimmer …) nutzen zu können.
So kam es, dass ich jeden Morgen von 6:30 bis etwa 7:00 mit einigen anderen (die Zahl der Mitschwimmer nahm zum Ende der Woche drastisch ab :D) den Pool zum schwimmen nutzte.
Abends waren wir jeden Tag in der ID-Hall um Volleyball, Fußball oder Frisbee zu spielen und danach trafen wir uns in der kleinen Küche auf unserem Flur um uns ein wenig näher kennen zu lernen.
Das Programm war nicht zu straff und sehr informativ, ebenso wie der Ausflug nach Odense, wo wir alle gemeinsam das Hans Christian Andersen Museum besuchten und Karin und ich dann noch in ein Fotografiemuseum gingen.
Abends aßen wir in einem Restaurant mit Namen „Den Grimme ælling“ was soviel wie „Das hässliche Entlein“. (Die Stadt ist der Geburtsort von Hans-Christian Andersen und sogar die Ampellichter hatten seine Silhouette anstatt des normalen Ampelmännchens).


Insgesamt war das Seminar also ein voller Erfolg und schon nächstes Wochenende bekomme ich Besuch von drei Freiwilligen, die ich dort kennen gelernt habe. Ich freu mich schon :)


Am Freitag den 9.10 kam ich dann aus Ollerup zurück nach Kopenhagen und ging zwei Stunden nach der Ankunft müde und erschöpft zur Arbeit. Denn am 9.10 war „Kulturnatten“ und in unserem Konzert spielten zwei Bands. Es war schön aber ich war dann doch sehr froh, als ich um halb 12 Nachts aus dem Café herauskam und wenigstens noch kurz mit Martin, Nils und Johann durch die Stadt streifen konnte. Lange hielten wir (trotz des Mitternächtlichen Baresso-Kaffees) nicht durch und so lag ich nicht kurz danach schon in warmen Federn.

Den Samstag fuhr ich dann nach Frederiksberg um mit einigen anderen Freiwilligen das Spiel Deutschland gegen Russland über Livestream und später Dänemark gegen Schweden in einer Brasilianischen Bar (mit sehr gutem Kaffee!) zu gucken. Danach ging es noch in eine FunkBar in der es wohl jeden dritten Mittwoch im Monat Poetry Slam geben soll! Das werde ich mir auf jedenfall mal angucken!

Den Montag danach fuhr ich mit dem Zug nach Kassel um meine Eltern wieder zu sehen und noch einige Sachen mit in den Norden zu verfrachten die mir noch zu meinem Glück fehlten (ein kleiner Tisch, Decken, Kissen, Bücher...). Es waren schöne drei Tage und auch mein Überraschungsbesuch beim Geburtstagskind ist gelungen.
Am Donnerstag ging es dann mit vollgepacktem Volvo (alles für mich, nur eine Tasche von meinen Eltern) zurück nach Kopenhagen wo wir noch bis Samstag zusammen die Stadt erkundeteten. Mit Hund natürlich.
Durch das ungeschickte Parken im Halteverbot (irgendwie mussten wir die Sachen ja in meine Wohnung kriegen ohne kilometerweit zu schleppen) hatten wir direkt einen Strafzettel am Auto. Natürlich schön laminiert (jaja....deshalb also die hohen Steuern von 42%)
Ich hatte mittlerweile auch schon meinen Sprachtest um mich in ein Modul in der Sprachschule einstufen zu können und heute kam auch endlich die e-mail, dass ich in zwei Wochen starten könne. Dann klappt das mit dem Schreiben und Lesen vielleicht auch endlich mal ein wenig besser. Verstehen und Sprechen (najaaaa) geht schon recht gut.
Doof ist allerdings, dass mein Sprachkurs Montags und Mittwoch morgens sein soll, was bedeutet dass ich im Prinzip von 9uhr Morgens bis 9uhr Abends am Montag auf Achse bin und mein „kurzer“ Mittwoch (normalerweise nur 4Std) verlängert sich um 3... Vielleicht darf ich ja auch den Kurs tauschen. Mal sehen.



So! Ich habe mich wirklich kurz gefasst und deshalb ist jetzt noch Zeit für den Artikel übers Fahrradfahren den ich schon so lange schreiben wollte!

Zu Beginn erst einmal ein paar Fakten über Kopenhagen als Fahrradstadt:
-Die Dänen sind Europameister im Radfahren mit 936km im Jahr
-Mit 40% Radfahreranteil ist Kopenhagen die fahrradfreundlichste Stadt des Kontinents
-das heute 300km lange Radfahrnetz soll durch Investitionen der dänischen Hauptstadt
noch erweitert werden, damit der oben genannte Anteil auf 50% steigt
(Quelle: http://www.badische-zeitung.de/ratgeber/natur-umwelt/die-daenen-radeln-
allen-davon--16007525.html)
-Dänen fahren bei jedem Wetter Fahrrad. Tagsüber, Nachts, bei Sonne, Regen, Schnee,
Sturm...
-Alle Dänen fahren Fahrrad und in jeder Montur. „Normalos“ bis zu Politikern, in
hochhakigen Schuhen, feinen Anzügen, ganzkörper Regencapes und mit drei Kindern ein
einer Holzbox vor dem
Rad.
- letztes Jahr wurden 10 Fahrräder der Freiwilligen meiner Organisation in Kopenhagen gestohlen
- 4 Freiwillige (oder waren es nur drei?) hatten einen (gravierenden) Unfall
- Bei uns gab es auch schon den Ersten (ich wars nicht! Hehe)
-(...)


Wenn ich mich beispielsweise dazu entscheide mit meinem Fahrrad nach Frederiksberg zu fahren um die anderen Freiwilligen zu besuchen sieht diese Prozedur in etwa wie folgt aus:
Ich verlasse die Wohnung mit dem Helm in der einen und das tragbare Rücklicht (mein „normales“ ist kaputt) in der anderen Hand, in der Tasche den Schlüssel für eins meiner zwei Schlösser.
Ich verlasse die Wohnung und das Haus um mein Fahrrad gegenüber aus dem Fahrradständer zu hebeln. Denn wenn man nicht aufpasst ist das Fahrrad über Nacht schnell von anderen Fahrrädern eingekesselt und verkeilt worden und man kann schon einmal die ein oder andere Minute brauchen um mit den Händen überhaupt das Schloss zu erreichen. Wenn man viel Glück hat erreicht man sogar beide Schlösser ohne Probleme.
Warum ich zwei Schlösser habe? Nun ja, unsere Mutter für alles (Koordinatorin für alles was uns Freiwillige betrifft) hat uns eingebläut immer beide Schlösser zu benutzen, da die Diebstahlrate bei Fahrrädern enorm hoch ist. Und wird mal nicht das ganze Rat geklaut, dann doch zumindest gerne mal ein Rücklicht oder eine Klingel oder....

Letztens fand ich mein Fahrrad reichlich demoliert in seiner Halterung. Es scheint, als wäre es in einer Art Kettenreaktion mit anderen Fahrrädern umgekippt und wieder aufgestellt worden. Der eingedellte Korb, das vollkommen verbeulte Schutzblech und das nun reichlich kaputte und nicht mehr wirklich verstellbare Zahlenschloss verrieten jedoch die Schandtat1

Hat man seinen Drahtesel jedoch einmal befreit und die Plastiktüte (wenn es geregnet hat) vom Sattel entfernt kann es losgehen.
Fahrradwege gibt es überall in Kopenhagen und die meisten sind so breit wie Autospuren. Das müssen sie allerdings auch sein, denn zum einen teilt man sich den Rad weg mit etwa 480000 anderen Fahrradfahrern in Kopenhagen teilen. Dazu kommen noch die Mofas die gelegentlich den Radweg benutzen und Links- bzw. Rechtsabbieger Spuren, die die Spreu vom Weizen trennt.
Für soviel Verkehr (es kommt ja natürlich noch der Bus und Autoverkehr dazu, die [fahrerlose] Metro ist glücklicherweise unter dem Beton) gibt es selbstverständlich auch mehr als genug Ampeln. Natürlich erst einmal an der Straßenkreuzung eine Ampel für Autos und dann für Fahrradfahrer. Ab und an gibt es dann noch eine extra Ampel für abbiegende Radfahrer.
Die Ampel für Autos hängt dann meistens nochmal einige Meter in der Luft in der Mitte der Kreuzung und auf der anderen Straßenseite (nach der Straße) findet sich noch eine dritte Ampel, damit man auch bloß die Grünphase nicht verpasst.

Da das Leben ja aber so noch viel zu einfach wäre verzichten die Radfahrer beim Überholen aufs klingeln und die Bushaltestellen werden so gebaut, sodass die aussteigenden Busfahrer direkt auf den autobahnmäßig befahrenden Fahrradweg springen, um dann auf den Bürgersteig zu gelangen.
Fährt man zu ungünstigen Zeiten, parken auch sämtliche Gemüse- und sonstige Lieferanten auf den Radwegen, sodass man Pendelartig zwischen Straße und Geweg hin und herschwingt.

Selbstverständlich gibt es in Kopenhagen auch Straßen ohne Fahrradweg oder Einmündungen in denen es dann plötzlich keinen Fahrradweg mehr gibt. Da müssen sich dann Busse, Autos und Fahrräder arrangieren. Das geschieht zumeist durch die Ampelschaltung. Die Fahrräder bekommen einen 10sekunden Vorsprung durch die Rad-Ampel und werden durch das Heulen der Bus-motoren die sich dicht hinter einem drängen noch zusätzlich angespornt schneller zu fahren.

Versteht ihr warum ich gerne einen Helm beim Radfahren trage?


Alles in allem macht Radfahren in Kopenhagen aber wirklich Spaß, wenn man sich erst einmal mit den ganzen Sachen vertraut gemacht hat und die Handzeichen beherrscht. Denn es ist nicht nur Dänisch, dass ich lernen muss, sondern auch noch die Sprache der Radfahrer!

Möchtest du bremsen ist es sehr wichtig deinen Arm in die Luft zu strecken. Nicht etwa wie beim Melden in der schule sondern der Ellebogen bleibt auf der Höhe des Brustkorbs und die Hand ist gesteckt sodass sie als „Stopschild“ fungiert.
Besonders wert ist auch darauf zu legen den linken Arm zu heben. Denn natürlich wird links überholt und so übersieht man gerne den rechten Arm des Vordermanns. Möchte man also nicht gnadenlos über den Haufen geradelt werden, sollte man das Fahren mit der rechten Hand schnell lernen.
Die Zeichen zum abbiegen sind ja allgemein bekannt. Neu war für mich allerdings die Technik das abbiegens an größeren und stark befahrenen Kreuzungen. Denn als Fahrradfahrer folgt man nicht den normalen Autos wie man es vielleicht vermutetn würde.
Als Radfahrer fährt man erst einmal über die Kreuzung herüber, hebt dann den Arm (links natürlich) um zu signalisieren, dass man anhalten will und ordnet sich dann auf dem nun richtigen Fahrradweg hinter der Ampel ein und wartet auf die Grünphase.

Ich hoffe man versteht es einigermaßen und es klingt nicht allzu abschreckend. Denn hat man das System des dänischen Radfahrens erst einmal verstanden macht es wirklich Spaß und es ist eine günstige (und für mich die einzige) Möglichkeit schnell von Ort zu Ort zu kommen ohne viel Geld für die Metro auszugeben.

Freitag, 2. Oktober 2009

GLÜCKWUNSCH

an meine Mama zur bestandenen Prüfung :-*

Mittwoch, 30. September 2009

Es geht mir viel zu gut hier, als dass ich regelmäßig schreiben könnte! Dafür entschuldige ich mich hier schon mal ;)

Es ist lange her, dass ich geschrieben habe und das ist nur ein Zeichen dafür wie unglaublich gut es mir hier geht :)
Ich fühle mich hier immernoch pudelwohl und kann mich nicht beklagen.
Eigentlich hatte ich vor etwas übers Fahrradfahren in Kopenhagen zu erzählen, aber am besten setze ich dort an, wo ich aufgehört habe und erzähl euch, was ich die ganze Zeit so getrieben hab. Wenn ich danach noch Zeit und Lust habe schreib ich noch etwas darüber. Sonst kommt es wann anders.

Ich beginne mit dem Oktoberfest, welches in der deutschen Schule der Sankt Petri Gemeinde (in der Inga arbeitet) stattfand.
Es war natürlich kein Oktoberfest im „deutschen“ Sinne, aber es war ein nettes Schulfest auf dem Schul- sowie Kirchengelände mit Flohmärkten, Aktionen und Führungen durch die Kirche, sowie die Grabkapellen.
Bei der Grabkapellenführung erfuhr man beispielsweise das man auf 4 Schichten Särgen läuft und dass der Pfarrer immer mal Angst hat, dass die 40-pfündige Kanonenkugel die von der Decke baumelt, irgendwann mal abkracht. (Nun gut, dass habe ich nicht am Oktoberfest erfahren, aber bei einer zweiten Grabkapellenführung, die ein wenig ausführlicher war).
Insgesamt war ich zwar nur kurz da, weil ich danach noch einen Termin hatte, aber ich habe die Zeit dort wirklich genossen.

Den Sonntag nach dem Oktoberfest (Samstag) fuhren einige Freiwillige und ich mit dem Fahrrädern nach Charlottenlund, welches etwa 10km nördlich von Kopenhagen am Meer liegt. Wir wollten unbedingt den Strand Vejen hinauffahren weil uns erzählt wurde wie schön es doch sei mit den Rädern direkt am Meer entlang zu fahren.
So machen wir uns also auf den Weg, durch die Stadt hinauf in den Norden, durch ein Industriegebiet, durch weitere Industriegebiete, durch Städte, an Häusern vorbei und ab und an sahen wir durch eine Häuserlücke das Meer aufblitzen. Das war wohl nichts, denn der Weg bekam wohl erst NACHT Charlottenlund einen direkten Blick aus Meer...
Trotzdem war es sehr schön am Meer und wir verbrachten, trotz des grauen Wetters (aber immerhin war es trocken) etwa zwei Stunden damit nur rumzusitzen, unseren Proviant zu verzehren (Kuchen, Obst, Brote, Kaffee), zu reden und zu lachen. Moritz traute sich sogar für etwa 2minuten ins Wasser.

Meine Arbeit ist weiterhin klasse und ich verstehe schon wirklich viel von dem, was geredet wird (meistens mittlerweile das Thema und oft auch mal den ein oder anderen Satz vollständig). Außerdem hatte ich schon meine ersten dänischen Unterhaltungen die nicht vollkommen in die Hose gingen.
Ich mache also deutlich Fortschritte und das freut mich natürlich ungemein!

Letzten Donnerstag waren Martin und ich dann wieder bei unserer Supervisorin eingeladen (Anne Doerte) bei der auch der dänische Geburtstag stattfand. Es gab mal wieder sehr gutes Essen und Eva war auch wieder da (auch wenn sie recht früh zum Tango tanzen gegangen ist).
Es war ein echt netter Abend und wir werden uns bald wieder treffen.
Am Samstag waren wir dann auf einem anderen Geburtstag eingeladen! Die Freistadt Christiania (auch das Freie Christania oder nur Christania genannt) wurde 38 Jahre alt! Für die, die es nicht wissen: Christania ist ein 34ha großes Gebiet in Kopenhagen welches von einem ehemaligen Militärgelände zu einer Alternativen Wohnsiedlung umgewandelt wurde. Es liegt auf den ehemaligen Wallanlagen der Stadt und teilt sich geografisch noch einmal in 15 Gebiete (→ Wikipedia).
Es gibt in Christania keine Polizei und alles wird basisdemokratisch verwaltet.
Um die Bedeutung dieses Zustandes noch einmal klar zu machen gebe ich euch folgendes Beispiel: Betritt man Christania, verlässt man das Gebiet der EU! (Verrückt oder? :D )

Jedenfalls hatte Christania geburtstag und so begaben wir Freiwilligen uns gegen Mitternacht über die Grenzen der Europäischen Union hinein in eine riesen Geburtstagsfeier.
Wo genau wir waren kann ich leider nicht sagen weil wir einfach Nils folgten (der sich vorher wohl sehr gut informiert hatte) und wir uns irgendwann, nach einem Marsch vorbei an Backsteingebäuden, Graffittilandschaften und Dixihausreihen zwischen Dickicht und tanzenden Menschen wiederfanden.
Eine schillernd (und damit meine ich schillernd im Sinne von Pailletten am ganzen Körper) gekleidetet Person spielte DJ und es roch stark nach Dingen die man sonst eher aus Amsterdam kennt.
Dieser Geruch erklärte wohl auch die ausgesprochen gute Laune der doch sehr unterschiedlichen Menschen die sich dort, aber auch vor der großen Bühne zu der wir später noch gingen, versammelten.
Die Musik war....seltsam, laut und schnell. Aber alles in allem war es ein schöner Abend, der mit einem netten Spieleabend (Activity) begann und dann mit einem Konzert endete.

Den Sonntagmorgen waren wir wieder in der Kirche und dort verbrachten wir dann auch den späten Nachmittag weil dort eine Wahlparty stattfand...das Ergebnis war zwar absolut nicht zufriedenstellend (-.-* MANNO) aber es war trotzdem sehr nett dort. Wir haben neue Leuten kennegelernt und hatten einen (mehr oder weniger) schönen Abend.

Die Secondhandläden in den umliegenden Straßen kenne ich durch mehrmaliges durchstöbern (erst letztens mit Maija, einer Finnin, die hier auch Freiwillige ist) auch ziemlich gut und Inga und ich haben schon einige Läden ausgemacht um unser Wohnzimmer ein wenig wohnlicher zu gestalten.
Es ist schon besser geworden aber die Wände brauchen definitiv noch ein wenig Farbe und mehr Bilder.



Heute sind drei ehemalige Freiwillige angekommen und werden die nächsten zwei Nächte bei uns im Wohnzimmer nächtigen. Danach ist Wochenende und dann bin ich für 5 Tage in Ollerup auf einem Seminar. Ich melde mich dann sobald ich wieder Zeit (und Lust ^^) habe und es wieder etwas zu erzählen gibt.
Das Fahrradfahren kommt auch bald. Ich bin zu müde um das jetzt noch zu schreiben. Denn es hat genügend Potential für einen eigenen Bericht.

Ganz liebe Grüße nach Hause und ich drücke meiner Mama für die nächsten zwei Tage alle Daumen ;)
Hab euch lieb!