Lange lang ist es her. Ewig viele Monate wie es scheint, doch nun, mit dem schon zweiten wirklich frühlingshaften Tag (zumindest hier in Kopenhagen) mit Sonnenschein und Vogelgezwitscher melde ich mich zurück. Meine Schreibpause hatte weniger mit Schreibblockaden oder Unlust zu tun, sondern viel mehr damit, dass so unglaublich viel passiert ist, sodass ich keine Zeit zum schreiben fand, und wenn ich sie fand, gab es so viel zu erzählen, dass ich nicht wusste, wo man anfangen sollte.
Aber nun ja, jetzt sitze ich mit einem Erdbeermilchshake (selbst püriert ;) ) auf meiner Fensterbank, genieße die Frühlingsluft und habe noch etwa eine Stunde, bevor ich zur Arbeit muss. Wenn das kein guter Zeitpunkt ist, den Bericht zu schreiben.
Die Weihnachts- und Adventszeit fiel diesmal aus vielerlei Gründen anders als erwartet aus, doch wenn ich jetzt auf den Abschluss des Jahres 2009 zurückblicke, gibt es ungemein viele schöne Momente, an die ich mich erinnern kann.
Es fällt mir wirklich schwer, mir vorzustellen, dass über die Hälfte meines Freiwilligendienstes schon rum ist und anstehende Uni-Bewerbungen machen wir es nicht unbedingt leichter die restlichen Monate voll zu genießen.
Doch nun erstmal zurück zu den letzten Monaten und zu einigen Dingen, die ich erlebt habe.
Während der Adventszeit besuchten Inga und ich zwei Weihnachtsbasare (ist das der Plural von Basar?) und wir genossen die weihnachtliche Stimmung in der Stadt. Überall in den Straßen roch es nach gebrannten Mandeln, an kleinen Ständen wurde Glögg verkauft (lecker :) ) und dank der zahlreichen Lichterketten und Tannenbäume fiel es mir nicht schwer, die dunkle Jahreszeit zu überstehen.
Das wöchentliche Adventsfrühstück mit meiner Familie via Skype war auch jedes mal sehr schön!
Kurz vor Weihnachten nutzte ich dann, gemeinsam mit drei anderen Freiwilligen meine Wildcard, um einen Tag nach Jylland zu fahren und mir Århus anzugucken. So kam es, dass wir alle, durch ein Konzert am Vorabend leicht übermüdet, um fünf Uhr morgens in den Zug stiegen.
Während Nils und Martin versuchten ein wenig Schlaf zu finden, hatten Johann und ich nach etwa einr halben Stunde die dritte Tasse Kaffee intus und trugen somit unseren Teil dazu bei, dass weder Nils noch Martin schlafen fanden.
In Århus angekommen war es noch sehr früh. Es war dunkel. Es war kalt und es regnete.
Doch trotz der ungünstigen Wetterverhältnisse verbrachten wir einen schönen Tag in einer nicht so schönen Stadt.
Nicht nur, dass man in den Bussen in Arhus HINTEN einsteigt und VORNE aussteigt, sondern auch, dass es für beinahe jeden Bus eine eigene Bushaltestelle gibt, sodass wir alleine drei Busse verpassten, bis wir endlich die Stelle fanden, an der sie abfuhren.
Nachdem wir jedoch auch dieses System verstanden hatten, besichtigten wir „Den Gamle By“ ( http://www.dengamleby.dk/deutsch.htm ), einen Weihnachtsbasar, Aros (http://www.aros.dk/page.asp?contentsection=3B90D6DA911140908C271FC96AED1043&zcs=3) und Hans og Grete. Letzteres ist ein Kaffee und Tee Laden in dem man zum einen einen besonderen Tee (Lakritz-Minze) kaufen kann, der jedem, der ihn probiert schmeckt (so erzählt man). Mir schmeckt er und auch sonst habe ich noch niemanden getroffen, der ihn nicht mag. Außerdem verkaufen sie dort Kaffeebohnen, in denen verschiedenste Aromen in den Kaffeebohnen stecken. So kann man beispielsweise Doppel-Schokolade, Irish Coffee, Amaretto und French Vanille kaufen und braucht keinen süßen Kaffeesirup mehr.
Bevor wir uns auf den Heimweg machten, liefen wir noch einmal durch den Botanischen Garten, der aber in anbetracht der Jahreszeit eher an einen Pflanzenfriedhof erinnerte.
Obwohl meine Beschreibung wahrscheinlich nicht so schön klingt, war es insgesamt doch ein sehr schöner und lustiger Tag :)
Nach einer internationalen Silvesterfeier, die im Diakonissenstift in Frederiksberg begann und nach dem Countdown auf dem Rathausplatz in Kopenhagen irgendwo in einer Kneipe in der Nähe vom Nyhavn endete stand auch schon bald das Midtermseminar unserer dänischen Organisation an.
Acht Tage lang sollten wir uns mit allen anderen Freiwilligen über bisher Erlebtes, Probleme und so weiter und so fort austauschen.
Es war eine wirkliche schöne Woche mit allerhand Programm, welches ich nur kurz wiedergeben werde.
Als ich Freitag punkt 17Uhr (denn da begann das Seminar) mit meinen beiden Mitbewohnern das Wohnzimmer des Diakonissenstifts betrat wurde ich schon aufgeregtem Gequassel auf verschiedenen Sprachen empfangen. Von Dänisch, Englisch, Deutsch über Französisch bis zu Russisch war fast alles dabei.
Denn es gab ja soviel zu erzählen und nicht alle wohnen in Kopenhagen, sodass man einige Leute nach 5 Monaten das erste mal wiedersah.
Nach einer kurzen Einführung in das Programm der nächsten Woche war dann Eile geboten. Denn für heute Abend waren Plätze in der Oper gekauft worden und so wurde sich im Eiltempo umgezogen, schick gemacht und dann ging frierend (Kleid und Strumpfhose eignen sich nicht sonderlich für Schnee und Eis) es zum Hafen. Dort erwartete einen schon das erste Highlight. Denn zur Oper wird man, wenn man möchte, mit einem Schiff übergesetzte. Dieses Schiff fuhr auch an besagtem Freitag, oder soll ich eher sagen, es kämpfte sich durchs Eis?
Der Kanal war nämlich mit einer dünnen und zum Teil wohl dickeren Eisschicht zugefroren, sodass es beängstigend Krachte und Rüttelte, als sich das Schiff zur Oper vorrankämpfte.
Die Befürchtungen vieler, man müsste den Rest zur Oper schwimmen, da das Schiff das nicht mehr lange durchhält, wurden zum Glück nicht bestätigt und so kamen wir alle heil in der Oper an.
Das Opernstück war klasse und trotz französischer Sprache und dänischen Untertiteln konnte ich fast alles verstehen.
Doch selbst wenn das Opernstück nicht gut gewesen wäre, war die Übersetzung durch das Schiff und die Oper selbst schon Highlight genug.
Die Oper hat nämlich nicht nur ein beeindruckendes Äußeres (http://img.album.de/files/images/screen/54/5408212410359.jpg) sonder fasziniert auch innerhalb durch ihre achitektonische Gestaltung. Während man durch die gläsernen Wände das Gebäude betritt wird man von gigantischen runden Kerzenleuchtern empfangen die in verschiedenen Höhen das Gebäude erhellen. In der Mitte des Gebäudes befindet sich eine Art riesiger hölzerner Kokon der im Erdgeschoss und in den höheren Etagen durch Brücken erreichbar ist. Es sieht aus wie der Kern der Oper und in diesem Kokon befindet sich dann der Opernsaal. Ich glaube man kann es sich anhand meiner eher grässlichen Beschreibung nicht sonderlich gut vorstellen, aber glaubt mir einfach, dass es ein beeindruckender Anblick ist.
So gemütlich jedoch der Freitag morgen auch war (wir hatten den gesamten Vormittag frei), so grässlich begann der Samstag. Denn das Frühstück wurde während des gesamten Seminares gemeinsam im Diakonissenstift eingenommen,w elches etwa 20min entfernt lag. Das hieß um kurz vor sieben aufstehen.
Den gesamten Samstag vormittag und auch einen guten Teil des Nachmittags verbrachten wir dann damit „mobile Ikonen“ zu basteln. Jeder von uns bekam ein kleines Holzbrett (in der Größe eines Handys) und dann sollten wir Hoffnung und Hoffnungslosigkeit darstellen.
Die sollte mithilfe von Farben, Stoffen, Glas- und Spiegelscherben oder Elektroschrott umgesetzt werden und das Ergebnis sollte „mobil“ sein.
Nunja, meine Ikone vereint jetzt zwar Farben, Stoff, Scherben und Elektroschrott, allerdings ist sie keinesfalls mobil, aber so ernst muss man das ganze ja nicht nehmen ;)
Die restlichen Tage standen dann noch ein Erste-Hilfe-Kurs (bei dem ich dem Dummy zwei Rippen brach), Schlittschuhlaufen, Museumsbesuche, Vorträge und Gruppengesppräche über Erlebnisse, Ängste und Probleme an.
Eines der wenigen Probleme bei diesem Seminar war jedoch, dass es mit foranschreitender Anzahl der Tage zunehmend schwieriger wurde sich zu konzentrieren, Denn wann endet ein Seminar schon mit dem Ende des Zeitplans?
Insbesondere in einer Gruppe von etwa 30 Freiwilligen zwischen 18 und 26 Jahren.
Alles in allem war es eine tolle Woche, die auch nicht von meinem EVS-Seminar eine Woche darauf getoppt werden konnte.
Besagtes zweites Seminar war zwar auch lustig und interessant, war jedoch auch kürzer und hatte nicht dasselbe Gruppengefühl. Sowas macht schon viel aus.
Schade war zudem noch, dass das Highlight des Seminares, einer Führung durch Christiania, aufgrund des angekündigten schlimmsten Schneesturms seit ewigkeiten (so wurde uns mitgeteilt), abgeblasen wurde. Doch anstatt dass wir wenigstens einen Schneesturm betrachten konnten, stellte sich dieser als leichter Schneefall heraus.
Nach dem Seminar ging es dann erneut raus aus Kopenhagen, diesmal nicht nach Jylland sondern in den Norden Seelands in einen Ort mit dem bezaubernden Namen Humlebaek.
Dort findet sich, etwa einen halben Kilometer Fußweg entfernt vom Bahnhof das berühmteste Kunstmuseums Dänemarks und einer der 1000 Plätze die man gesehen haben sollte, bevor man stirbt.
Dies konnten Martn und ich uns natürlich nicht entgehen lassen und schon gar nicht, da unsere Chefin uns von dieser Fotoausstellung im Museum vorschwärmte. Die Begeistertung, die wir verzweifelt zu verstreuen versuchten sprang leider nur auf drei weitere über, sodass wir am Samstag morgen Moritz, Simon und Johann nach einigem Hin und Her mit je einem Kaffeebecher in der Hand vorfanden.
Obwohl der Schnee allgegenwärtig war (es hatte die Tage davor mal wieder tüchtig geschneit) schien den ganzen Tag die Sonne und auch das Museum war einfach klasse.
Fast 5 Stunden stromerten wir durch die Gebäude und den Skulpturengarten der direkt ans Meer grenzte und die Zeit verging wie im Flug.
Soviel zu den vergangenen Erlebnissen. Der Winter war lang und hart. Es hat enorm viel geschneit, vor allem dafür, dass man in unmittelbarer Meernähe mit wenig bis gar keinem Schnee rechnet. Doch seit etwa drei Tagen merkt man den Frühling überall. Die Sonne scheint, es ist früh morgens schon recht hell und die allgemeine Stimmung verbessert sich zunehmends in der Stadt.
Jetzt kann der Frühling kommen :)
Une lettre pour l’Afrique
vor 15 Jahren
